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Hütchenspieler wurde vor Gericht freigesprochen.

Hütchenspieler wurde vor Gericht freigesprochen.Wo ist die Kugel?

Ein wegen Betruges angeklagter Hütchenspieler wurde vor Gericht freigesprochen.
Wo ist die Kugel?", fragt der Mann im kurzärmeligen schwarzen Hemd. Er hockt über einem abgeschnittenen Teppichteil am Gehsteig der Mariahilfer Straße in Wien 6, eine Hand in der Hosentasche, in der anderen hält er einen 50-Euro-Schein. Er zeigt ihn den zehn Personen, die ihn umringen. Am Boden drei hellbraune Hütchen – unter einem soll ein Kügelchen versteckt sein. Zuvor hat er die Hütchen, mit Klebeband verstärkte Zündholzschachteln, flink herumgeschoben. Jeder hat das Gefühl zu wissen, unter welchem Hütchen die Kugel liegt.
Niemand wettet mit. Da streckt sich eine Hand aus der zweiten Reihe mit einem Fünfziger. Der Mann in der braunen Lederjacke greift zu. "Dort draußen, unter dem Rechtsaußen liegt die Kugel", sagt der neue Wettpartner in gebrochenem Deutsch. Er hat Recht!
Wer nicht die Kugel und die Finger des Spielleiters am Boden verfolgt und sich stattdessen in der Menge umgesehen hat, weiß: Der Wettsieger gehört zum Spiel. Er ist kein unbedarfter Passant, der wegen seiner Wett- und Spiellust einen Einkaufsbummel unterbrochen hat. Fast die Hälfte der Schaulustigen gehört offensichtlich zu dem Hütchenspieler. Die Komplizen müssen nicht erst lange in ihren Geldbörsen nach einem Fünfziger kramen. Sie haben ihn lose in der Jackentasche – welch Zufall. Sie nehmen Blickkontakt auf mit den Leuten, die neben ihnen stehen – das tut sonst keiner, denn jeder fixiert die Hütchen und die Finger des Hütchenspielers. Dessen Komplizen deuten an, den Geldschein einsetzen zu wollen. Die Umstehenden werden nervös, nesteln in ihren Brieftaschen herum. Eine Wienerin, um die Fünfzig, zieht einen 50-Euro-Schein aus ihrer Geldbörse. "Da", sagt sie, "da liegt die Kugel." "Sind Sie sicher?", fragt der Hütchenmann. "Decken Sie ihn auf!", sagt die Frau bestimmt. "Ich hab’s genau gesehen. Schon bei der letzten Kugel hätt’ ich es gewusst. Aber da hat der junge Mann ja gesetzt."
Diesmal liegt sie falsch. Ärgerlich.
Das nächste Spiel. Blitzschnell lässt der "Spielleiter" die Hütchen den Platz tauschen. Dann die Frage: "Wo ist die Kugel?"
"Nehmen Sie", sagt wieder die Frau. Sie hält ihm einen Fünfziger hin. Der Mann greift zu. "Da, links", sagt sie.
"Sind Sie sicher?"
Diesmal ganz bestimmt."
Der Mann hebt das Hütchen. Keine Kugel.
"Zeigen Sie, wo sie wirklich ist", sagt einer aus der Menge.
"Glauben Sie, ich mogle?" Der Mann im schwarzen Hemd lüftet das Hütchen in der Mitte, darunter liegt die graue Kugel.
"Was soll der Fotoapparat?", will einer der Mitspieler von einem Mann mit einer Digitalkamera wissen. "Weg damit. Das hier ist eine private Veranstaltung", sagt er in gebrochenem Deutsch. Der Hütchenspieler macht weiter. Die Frau wettet und wettet – insgesamt sechsmal, sie verspielt in wenigen Minuten 300 Euro. Gekleidet ist sie nicht wie jemand, der das üblicherweise an einem Tag ausgibt.
Nach dem sechsten Fünfziger der emsigen Wettpartnerin rollt der Hütchenspieler ganz überraschend den Teppich zusammen. Ein Pfiff, der kaum jemandem aufgefallen ist, lässt ihn die Flucht ergreifen.
Ein Streifenwagen rollt vorbei.

Quelle: http://www.kripo-online.at/

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